Führungsplanspiele
Inhalt
- Bedeutung und Zweck von Planspielen
- Entstehung und Entwicklung der Planspielmethode (Link)
- Forschungsbericht zum Einsatz von Führungsplanspielen in der Führungskräfteentwicklung (PDF Download)
- Beispiel 1: Führungsplanspiel SOLARIS (für Fortgeschrittene)
- Beispiel 2: Führungsplanspiel CREARIS (für Potentialträger und Teamleiter)
- Unternehmensplanspiele ARTARIS und MERCARIS (Link)
Bedeutung und Zweck von Planspielen
Planspiele gehören zu den effizientesten Trainingsmethoden, weil die meisten Menschen durch „Hand anlegen“, Ausprobieren und Praktizieren wesentlich schneller als durch Vermittlung von Theorien lernen. Für einen Tennisspieler ist es sicherlich hilfreich zu wissen, wie man die Flugbahn des Balls berechnet; seine tatsächliche Spielstärke wird er aber nur durch die Praxis verbessern. Das Vorbild für diese Art des Lernens ist der Flugsimulator in der Pilotenausbildung.
Führungsplanspiele sind im Gegensatz zu Unternehmensplanspielen relativ neu. Erste Varianten wurden in Deutschland von Klaus Antons in seinem Klassiker "Praxis der Gruppendynamik" und von Ulrich Ritter vom Lehrstuhl für Hochschuldidaktik der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Frankfurt in den 1970er und 1980er Jahren entwickelt.

Führungsplanspiel SOLARIS (für Führungskräfte mit 1-2 Jahren Führungserfahrung)
Besonderheit
Das Besondere am Führungsplanspiel SOLARIS ist die Kombination der genannten "harten" und "weichen" Kompetenzen. Die Trennung zwischen Betriebswirtschaft und Führungsverhalten existiert zwar in Weiterbildungsabteilungen mancher Unternehmen, nicht aber in der unternehmerischen Praxis. Deswegen war es notwendig, ein entsprechendes Planspiel zu entwickeln, das beide Bereiche verbindet und somit der Wirklichkeit näher kommt. Schließlich werden Führungskräfte letztendlich am wirtschaftlichen Erfolg gemessen und müssen daher einschätzen können, wie sich ihr Verhalten auf diesen Erfolg auswirkt.
Inhalt und Ablauf
Dieses Führungsplanspiel simuliert ein Unternehmen, das von einem kaufmännischen und von einem technischen Direktor geleitet wird. Beide vereinbaren strategische und operative Ziele mit dem Vorstandsvorsitzenden und delegieren Aufgaben und Ziele an ihre Mitarbeiter. Der Führungserfolg wird zum einen mit Kennzahlen (Produktivität und Rentabilität) und zum anderen an der Effektivität des Führungsverhaltens der Manager gemessen.
Das Unternehmen produziert Windkraftanlagen aus Generator, Solarzelle und Silberdraht mit einer Höhe von ca. 25 cm nach einem Konstruktionsplan. Gelegentlich ändern sich die Erwartungen der Kunden; folglich müssen alle Prozesse angepasst oder neu organisiert werden. Der gesamte Geschäftsprozess ist auf einem „Spielbrett“ als haptisches Planspiel nachvollziehbar abgebildet. Erfahrungsgemäß ist der wirtschaftliche Erfolg umso größer, je besser es gelingt, das Verhalten des technischen und des kaufmännischen Personals im Sinne der Unternehmensziele und der Kundenerwartungen zu beeinflussen.

Abbildung: Organisation des Unternehmens im Führungsplanspiel "SOLARIS AG"
Lernziele
Jeder Teilnehmer übernimmt in diesem Führungsplanspiel die Verantwortung als Leiter der technischen oder der kaufmännischen Abteilung oder als Vorsitzender der Geschäftsleitung. Dabei trainiert er wichtige Führungskompetenzen wie zum Beispiel Planung und Organisation, Zielvereinbarung, Delegation, Überzeugungskraft, Motivation, Durchsetzungsfähigkeit oder Konfliktmanagement. Zur Effektivität seines Führungsverhaltens bekommt er gezieltes Feedback und Verhaltensempfehlungen von den anderen Teilnehmern und vom Seminarleiter. Jede Führungskraft erlebt in diesem Führungsplanspiel eindrucksvoll, wie sich ihr Führungsverhalten auf die Leistung der Mitarbeiter und die wirtschaftlichen Ergebnisse auswirkt.
Zielgruppe
Erfahrungsgemäß ist der Lernerfolg für jene Teilnehmer am größten, die bereits über ein bis zwei Jahre Führungserfahrung zum Beispiel als Team-, Projekt- oder Gruppenleiter verfügen. Sie sollten keine Scheu haben, Anweisungen zu geben, Andere zu kritisieren, Konflikte zu riskieren oder offen Feedback zu äußern. Wenn sie bereit sind, das Verhalten Anderer zu beeinflussen, werden sie in diesem Seminar einen unvergesslichen Lernerfolg erzielen. Betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse sind nicht notwendig, wohl aber ein Einblick in die Funktionsweise eines Unternehmens (zum Beispiel durch ein Trainee-Programm) oder Budgetverantwortung. Eine typische Zielgruppe sind die Teilnehmer in unserem Executive-MBA (etwa 7 Jahre Praxiserfahrung).
Weitere Einsatzmöglichkeiten des Führungsplanspiels
- Vorbereitung auf die Übernahme von funktionsübergreifender Führungsverantwortung (General Management)
- Vorbereitung und Beteiligung an Veränderungsprozessen
- Potentialeinschätzung in einem Assessment für die nächste Hierarchiestufe
- Standortbestimmung, Reflektion und Optimierung des Führungsverhaltens, insbesondere beim Management komplexer Systeme
- Optimierung des Führungsverhaltens in interkulturellen oder interdisziplinären Strukturen eines Unternehmens
Inhaltliche Schwerpunkte (abhängig von der Teilnehmerstruktur)
- Indirekte Führung durch Systeme, Kennzahlen und Organisation
- Direkte Führung durch Erfüllung der Vorbildfunktion, Motivation und Kommunikation
- Erarbeitung und Umsetzung von Zielvereinbarungen (wirtschaftliche Ziele und Verhaltensziele)
- Einschätzung der eigenen Führungskompetenzen (Selbstbild und Fremdbild)
- Erstellung und Umsetzung eines persönlichen Entwicklungsplans
- Auswirkung des Führungsverhaltens auf die Umsetzung der Unternehmensziele
- Feedback zum Verhalten in schwierigen Führungssituationen und Konflikten
- Entwicklung eines authentischen Führungsstils
Der technische und der kaufmännische Prozess sind auf dem nachfolgenden "Spielbrett" dargestellt:

Abbildung: Wirtschaftlicher Erfolg und Führungserfolg bei Führungsplanspiel SOLARIS
Führungsplanspiel CREARIS für "High Potentials"
Lernziele
Auch bei diesem Führungsplanspiel geht es darum, andere Menschen,
insbesondere ein Team ergebnisorientiert zu führen. Das Planspiel CREARIS
simuliert ein Service-Unternehmen, das sich auf kreative Problemlösungen
geschäftlicher Probleme ihrer Kunden spezialisiert hat. Dabei trainieren die
Teilnehmer ihre Fähigkeit, ein Team so zu leiten, dass es in einer
vorgegebenen Zeit eine Lösung für ein Problem erarbeitet.
Bei den „Problemen“ handelt es sich um Fälle aus verschiedenen Bereichen des Managements analog zu Fallstudien, wie sie auch von der Harvard Business School eigesetzt werden. Der Vorteil gegenüber einem Outdoor-Training besteht darin, dass die Teilnehmer nicht viel Zeit mit dem Bauen eines Floßes oder dem Knüpfen von Seilen verbringen, sondern den Umgang mit Managementinstrumenten bei der Lösung realer Fallstudien trainieren, die sie auch in ihrem Unternehmen anwenden können. Das gelingt umso besser, je effektiver die Leiter ihre Führungsaufgaben erfüllen.
Die Teilnehmer verbessern die nach heutigem Stand des Wissens wirksamsten Führungs- und Kommunikationskompetenzen, und zwar abgestimmt auf ihren persönlichen Entwicklungsbedarf. Die Ergebnisse aus den Erfahrungen und aus dem Feedback fließen in ihren persönlichen Entwicklungsplan ein. Die nachfolgende Grafik zeigt einen Ausschnitt aus einem Feedbackbogen zur Einschätzung des Führungsverhaltens.

Abbildung: Führungsplanspiel CREARIS: Feedbackbogen
Zielgruppe
Zur Zielgruppe dieses Führungsplanspiels gehören in erster Linie
Nachwuchskräfte mit Führungspotential und einigen Jahren Praxiserfahrung,
die sich auf die Übernahme von Führungsverantwortung vorbereiten. Besonders
geeignet ist dieses Planspiel für jüngere Führungskräfte in den ersten
Monaten und Jahren ihrer Tätigkeit als Vorgesetzter, Projekt- oder
Teamleiter. Sie können verschiedene Führungstechniken ausprobieren und
dadurch ihre Ergebnisorientierung und Fähigkeit zur kreativen Problemlösung
(im Team) verbessern.
Beispiele für (reale) Fallstudien
- Vorbereitung einer Investitionsentscheidung für ein Investitionsgut
- Überwindung der Diskrepanz zwischen offiziellen und "ungeschriebenen" Spielregeln
- Prozessoptimierung im Qualitätsmanagement
- Optimierung der Zusammenarbeit von Marketing und Vertrieb
- Markteinführung eines neuen Produktes aus der Medizintechnik
- Entwicklung und Umsetzung eines Management-Audits
- Entscheidung über die Substitution eines Produktes nach Ende der Patentlaufzeit
- Einführung neuer Kennzahlen zur Leistungsmessung
- Entscheidung über den Markteintritt eines Handelsunternehmens in Indien
- Reorganisation des Innovationsprozesses (Stage-Gate) in einem mittelständischen Unternehmen
- Implementierung einer Feedbackkultur in einem Unternehmen
- Erstellung eines Businessplans für eine neue Dienstleistung
- Implementierung eines Führungskräftefeedbacks
- usw.
Ablauf
Die Teamleiter ist dafür verantwortlich, dass die Kunden ein Angebot einschließlich Umsetzungsplan bekommen. Die Leistungen werden am Ende des Planspiels durch operative Manager bewertet (zusätzlich zum Feedback als Führungskraft).
Unternehmensplanspiele ARTARIS und MERCARIS
Siehe dazu: www.unternehmensplanspiel.net
Kontakt: Prof. Dr. Waldemar Pelz, Technische Hochschule Mittelhessen (THM Business
School), Professur für Internationales Management und Marketing
Angewandte Forschung und Entwicklung sowie Technologietransfer durch das
Institut für Management-Innovation (Steinbeis-Transferzentrum)
E-Mail:
w.pelz@w.thm.de
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© Prof. Dr. Waldemar Pelz |